Psalm 91 – der vollständige Text
Hier findest du alle 16 Verse von Psalm 91 im unveränderten Wortlaut der Lutherbibel 1912 (L1912). Die anschließende Erklärung ist ein eigener Leseimpuls und gehört nicht zum Bibeltext.
1Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt,
2der spricht zu dem HERRN: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.
3Denn er errettet dich vom Strick des Jägers und von der schädlichen Pestilenz.
4Er wird dich mit seinen Fittichen decken, und deine Zuversicht wird sein unter seinen Flügeln. Seine Wahrheit ist Schirm und Schild,
5daß du nicht erschrecken müssest vor dem Grauen der Nacht, vor den Pfeilen, die des Tages fliegen,
6vor der Pestilenz, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die im Mittage verderbt.
7Ob tausend fallen zu deiner Seite und zehntausend zu deiner Rechten, so wird es doch dich nicht treffen.
8Ja du wirst mit deinen Augen deine Lust sehen und schauen, wie den Gottlosen vergolten wird.
9Denn der HERR ist deine Zuversicht; der Höchste ist deine Zuflucht.
10Es wird dir kein Übel begegnen, und keine Plage wird zu deiner Hütte sich nahen.
11Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen,
12daß sie dich auf Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.
13Auf Löwen und Ottern wirst du gehen, und treten auf junge Löwen und Drachen.
14“Er begehrt mein, so will ich ihm aushelfen; er kennt meinen Namen, darum will ich ihn schützen.
15Er ruft mich an, so will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Not; ich will ihn herausreißen und zu Ehren bringen.
16Ich will ihn sättigen mit langem Leben und will ihm zeigen mein Heil.”
Worum geht es in Psalm 91?
Psalm 91 spricht von Zuflucht bei Gott und benennt zugleich die Gefahren der Welt. Schutz, Schatten, Flügel, Schild und Burg geben dieser Zuflucht verschiedene Bilder. Das Gedicht beginnt nicht mit Techniken zur Herstellung von Sicherheit, sondern mit einer Beziehung des Vertrauens.
Achte darauf, wie konkret die Bedrohungen benannt werden. Nacht und Tag, Dunkelheit und Mittag, verborgene Fallen und sichtbarer Konflikt stehen im selben Gedicht. Wer den ganzen Psalm liest, hört den Zuspruch zusammen mit diesen Gefahren.
Auch die Stimmen wechseln. Zunächst wird beschrieben, wer im Schutz des Höchsten wohnt. Dann folgt ein persönliches Bekenntnis; ein großer Teil spricht ein „Du“ an und am Schluss spricht Gott. Bevor du einen Satz auf dein Leben beziehst, kläre, wer spricht und wer angesprochen wird.
Diese Seite folgt den Bewegungen des Gedichts, ohne einen bestimmten historischen Anlass zu behaupten. Im Mittelpunkt stehen der Text von Psalm 91 und die Fragen, die er selbst aufwirft.
Psalm 91,1–4: Zuflucht, Schatten und Vertrauen
Lies die ersten vier Verse als Auftakt. Zuflucht und Burg beschreiben Schutz; die Flügel ergänzen ein anderes Bild von Geborgenheit. Es sind poetische Bilder, keine Bauanleitungen oder wörtlichen Beschreibungen von Federn.
Das persönliche Bekenntnis in Vers 2 ist wichtig. Der Sprecher gibt dem Vertrauen Worte, bevor der Psalm seine längere Anrede entfaltet. Trenne in deinem Notizbuch dieses Bekenntnis von deiner Antwort: Halte zuerst fest, was der Sprecher sagt, und danach, was dir daran auffällt.
Frage, welches Bild deine Aufmerksamkeit hält. Eine Burg kann Stärke und Grenzen nahelegen, Flügel eher Nähe und Fürsorge. Lass die Bilder nebeneinander stehen, statt sie auf eine einzige abstrakte Aussage zu reduzieren. Dichtung kann mehrere Bedeutungen zugleich tragen.
Eine persönliche Antwort könnte sein, zu benennen, wo du diese Woche Sicherheit gesucht hast. Das ist dein Nachdenken, angeregt vom Psalm. Halte es auf einer anderen Zeile als ein genaues Zitat aus Psalm 91 fest.
Psalm 91,5–13: Die Zusagen sorgfältig lesen
Der mittlere Teil beschreibt Gefahr und Schutz mit eindrücklichen Bildern. Lies sie als Teil des ganzen Gedichts, nicht als einzelne Zusagen für jedes Ereignis in deinem Leben.
Die Verse 11–12 erscheinen auch in der Versuchungsgeschichte in Matthäus 4,1–11. Dort wird Jesus damit aufgefordert, sich hinabzustürzen. Er lehnt es ab, Gott auf die Probe zu stellen. Der Vergleich hilft, Vertrauen von absichtlich herbeigeführter Gefahr zu unterscheiden, mit der ein Ergebnis erzwungen werden soll.
Der Psalm sollte nicht als Vorwurf gegen Menschen dienen, die Schaden, Krankheit oder Verlust erleben. Ihr Leid ist kein Maßstab für ihren Glauben. Der Schluss nennt Gottes Gegenwart in der Not. Das bleibt wichtig neben den früheren Bildern des Schutzes.
Kehre danach zum Wortlaut zurück: Welche Wörter beschreiben Gefahr, welche Fürsorge? Was verändert sich, wenn du beides beachtest, statt nur deine Lieblingszeile auszuwählen?
Psalm 91,14–16: Gegenwart in der Not
Am Schluss spricht Gott direkt. Lies diese Verse laut und achte auf die Folge der Zusagen: Befreiung, Schutz, Antwort, Gegenwart, Rettung, Ehre, Sättigung und das Zeigen des Heils.
Die Gegenwart in der Not gehört zu dieser Folge. Not ist nicht aus dem Wortschatz des Psalms verschwunden. Die am Anfang beschriebene Beziehung kehrt im Rufen und Antworten wieder.
Stelle für dein Nachdenken das anfängliche Bekenntnis neben den Schluss. Was vertraut der Sprecher Gott an? Welche Gegenwart beschreibt das Ende? Du darfst diese Fragen stellen, ohne jedes Bild in eine Vorhersage für morgen zu verwandeln.
Wenn eine Zeile bei dir bleibt, kopiere sie genau mit Stelle und Übersetzung. Erkläre dann mit eigenen Worten ihren Platz im Psalm. Das hilft dir, ihren Zusammenhang später zu bewahren.
Eine einfache Art, mit Psalm 91 zu beten
Lies zuerst den ganzen Psalm 91. Wähle ein Schutzbild und eine Zeile, die Gefahr oder Not benennt. Notiere jeweils, warum sie dir auffällt. Du musst die schwierige Seite nicht verdrängen, bevor du betest.
Benenne danach eine Sorge mit eigenen Worten. Vielleicht bittest du um Weisheit, Fürsorge für einen geliebten Menschen oder Halt in einer schwierigen Situation. Halte daneben einen praktischen nächsten Schritt fest: ein Gespräch, eine Aufgabe oder eine Bitte um Hilfe.
Lies zum Schluss die letzten Verse erneut. Diese Übung erzwingt kein Ergebnis. Du darfst mit einer offenen Frage zum Psalm zurückkehren. Weitere Stellen mit Raum für Angst und Gebet findest du unter Bibelverse gegen Angst.
Fragen während des Lesens
Welche Übersetzung von Psalm 91 wird hier gezeigt?
Diese Seite zitiert die Lutherbibel 1912 (L1912) mit ihrem ursprünglichen Wortlaut und ihren Versnummern. Die begleitende Erklärung ist ein eigener redaktioneller Leseimpuls.
Verspricht Psalm 91, dass nichts Schlimmes geschieht?
Lies das ganze Gedicht, einschließlich des Schlusses über Gottes Gegenwart in der Not. Die Versuchungsgeschichte in Matthäus 4 zeigt außerdem, warum seine Worte kein Anlass sein sollten, Gott absichtlich auf die Probe zu stellen oder das Leiden anderer abzutun.
Wie lerne ich Psalm 91 mit seinem Zusammenhang auswendig?
Lerne einen kurzen Abschnitt mit Stellenangabe und Übersetzung. Erkläre, wo er im ganzen Psalm steht. Lies regelmäßig alle sechzehn Verse erneut, damit die vertraute Zeile mit dem Ganzen verbunden bleibt.
ZUM NACHDENKEN
Welches Bild aus Psalm 91 hilft dir, eine Sorge in Worte zu fassen? Wie erweitert der ganze Psalm dieses Bild?
EIN RAUM FÜR DEINE EIGENEN WORTE
Ein Gedanke, den du mitnehmen kannst.
Wird nur in deinem Browser auf diesem Gerät gespeichert. Deine Worte werden uns nicht gesendet. Das Löschen der Browserdaten entfernt diese Notizen.
Schreibe ein paar Worte, wenn du bereit bist.


